Solarteam BvSG Zurueck

Aus der Schwäbischen Zeitung vom 11. April 2000

Foto: Marcellus Kaiser
Schaufeln sich in eine neue Dimension der Energiegewinnung: Schüler des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums. (SZ-Foto: Marcellus Kaiser)

Eine Solaranlage für die Energie AG

Neu-Ulm - Spatenstich am Bertha-von-Suttner-Gmnasium in Pfuhl: Gestern wurde der "Startschuss" gegeben für den Bau einer Photovoltaik-Anlage auf dem Schulgelände. Das Besondere daran: Die Solarzellen kommen nicht aufs Schulhaus-Dach, sondern auf einen Container. Von unserer Mitarbeiterin Barbara Hinzpeter.

Und noch eine Besonderheit. Die Anlage ist zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Wettbewerbsgeldern finanziert, welche die Energie-AG der Schule bei ihrem ersten Projekt eingefahren hat. "Wir möchten die Anlage für die Schüler zugänglich machen", begründet Oberstudienrätin Margit Fluch die Container-Bauweise, die modern und ästhetisch sein soll. Denn die Solarzellen im Übungskasten könnten die Schüler nicht mehr hinterm Ofen hervorlocken: "Da spürt man nichts von Technik der Zukunft."

Die Sonnenkollektoren werden künftig einerseits im regulären Physikunterricht eingesetzt. Andererseits soll eine aus Schülern bestehende "Energie-Agentur" eine Teil des gewonnenen Stroms entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen ins Netz einspeisen. "Es geht uns nicht darum, etwas kommerzielles zu machen", so Margit Fluch, "Sondern wir wollen zeigen, dass es geht."

Zeigen, was geht - das wollte die Energie-AG auch bei ihrem ersten Projekt im vergangenen Schuljahr. Damals beteiligten sich die Pfuhler am kreisweiten Wettbewerb zum Energie-Sparen an Schulen. "Ich wollte mal wissen, warum es in den Klassenzimmern oft zu kalt und ebenso häufig zu warm ist", begründet Simon Martin aus der 13. Klasse seine Teilnahme an der Untersuchung. Akribische Messungen rund um die Uhr, eingehende Beschäftigung mit der komplizierten Heizungsanlage, zahlreiche Gespräche mit Experten der Fachhochschulen Ulm (Energietechnik) sowie der Handwerkskammer brachten es an den Tag: Der Grund für die Energie-Verschwendung liegt nicht am Verhalten der Schüler und Lehrer, sondern im System.

Die AG deckte Mängel auf wie undichte Ventile und den fehlenden hydraulischen Abgleich". Der sollte eigentlich dafür sorgen, dass die Heizkörper mit der optimalen Wassermenge versehen sind. Fehlt er, kommt es vor, dass die Anlage zu viel heißes Wasser aufbereitet, das aber gar nicht bis in die hinteren Heizkörper des Kreislaufs gelangt. Fehlanzeige auch bei der geforderten Nachtabsenkung der Raumtemperatur.

Verblüffende Ergebnisse

Die Ergebnisse verblüfften die Schüler und auch die Mitarbeiter im Landratsamt. Denn die Heizungsanlage war in den Jahren zuvor saniert worden. Für Margit Fluch lässt das nur den Schluss zu, dass an den Ausschreibungen für Sanierungsmaßnahmen etwas faul ist. Sie fordert daher, die Aufträge nach dem Energie-Contracting" vergeben werden, bei dem sich die Firmen verpflichten, einen bestimmten Prozentsatz Energie einzusparen. Das ist aber nur möglich, wenn sie ihren Blick aufs Ganze richten.

Die Studie fand auch im Kreistag, wo die Schüler im Herbst ihre Ergebnisse vortrugen, große Beachtung. Vielleicht werden sie sogar noch auf höherer Ebene gehört. So könnte es möglicherweise eine Einladung in den Landtag geben, deutet Margit Fluch an. Viel mehr möchte die Lehrerin darüber noch nicht sagen, weil sie zuerst die Kreisbehörde davon unterrichten wolle. Über den Tellerrand hinausschauen will auch das "Solarteam" der Pfuhler Energie-AG. Ein paar Computerfreaks des Gymnasiums basteln momentan an einer Homepage, damit sie via Internet mit anderen "Solarschulen" kommunizieren können. Hier steht übrigens der nächste Wettbewerb ins Haus. Die Pfuhler sind eingeladen, sich an einem Projekt über Net-Kommunikation der Akademie Tutzing zu beteiligen. Es winkt ein Preis für die beste Homepage.



Info Die Photovoltaik-Anlage des Pfuhler Gymnasiums bekommt zunächst zwölf Module. Sie soll in absehbarer Zeit auf die doppelte Fläche erweitert werden. Die Kosten für den ersten Abschnitt betragen rund 58 000 Mark. Die Energie-AG steuert selbst 18 000 Mark bei, das sind Preisgelder aus dem Wettbewerb in voller Höhe. 25 000 Mark schießt die Solarstiftung Ulm/Neu-Ulm zu, 7 000 Mark der Landkreis, etwa 4 000 Mark werden über Eigenleistungen aufgebracht. Der Rest, so hoffen die Schüler und Margit Fluch, kommt über die Vermarktung des erzeugten Stroms herein.


Martin Fluch (Webmaster)
Last modified: Mon Dec 25 10:58:22 CET 2000
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